Das evangelische Pfarrhaus
Das Pfarrhaus steht traditioneller Weise im Dorfkern in unmittelbarer Nähe zur Kirche. Pfarrhäuser nahmen schon seit der ersten württembergischen Bauordnung von 1495 eine Sonderstellung ein, weil diese einen zweigeschossigen Bau nur für das Pfarr- und Wirtshaus erlaubte. Das Pfarrhaus von 1793 wurde auf dem altem Geschoss eines Vorgängerbaus erbaut, den die Gemeinde 1564/1565 für den ersten Pfarrer Magister Christoph Raff der 1563 neu gegründeten Pfarrei erbauen ließ. Der Grundriss des Neubaues wurde zur Kirche hin erweitert.
Das Pfarrhaus ist ein traufständiger zweigeschossiger Fachwerkbau auf massivem Erdgeschoss mit Eckquaderung unter Krüppelwalmdach mit Schleppgauben. Der stattliche Bau wird an der Traufseite durch eine dichte Fensterreihe sowie einem profilierten Geschossgesims, das den Fachwerkaufbau abgrenzt, bestimmt. Die kleinen Fensteröffnungen und zwei Rundbogentüren im Erdgeschoss sind mit Sandsteinfassungen gerahmt. Westlich der Türen befindet sich ein Einfahrtstor, innen mit Schießscharte des Vorgängerbaus. Die mittlere Tür war Hauptzugang. Rechts davon Zugang zu Abstellraum, von diesem ist der Gewölbekeller erreichbar. Heute ist das Pfarrhaus über hofseitigen Zugang erreichbar. Innen führt vom großen Dielenraum, teils mit Holzstützen versehen, eine Treppe in das erste Obergeschoss, das Pfarramt mit Büros und die Privatzimmern des Pfarrers aufnimmt.
Die den Hofraum nördlich begrenzende ehemalige Pfarrscheuer stammt in wesentlichen Teilen aus der Zeit um 1790 und wurde ebenfalls auf einen durch die Gemeinde veranlassten Vorgängerbau der Scheuer von 1574 erbaut. Das Gebäude, ein eingeschossiger Fachwerkbau, erhebt sich über rechteckigem Grundriss unter einem Krüppelwalmdach mit Schleppgauben. Der Ostgiebel mit seinen langen leicht geschweiften Fußstreben und Teile der Traufseiten weisen in das Jahr 1574. 1927 erfolgte der Ausbau des ehemaligen Ökonomiegebäudes zum Gemeindesaal, 1937 Einbau einer Schwesternwohnung in das Dachgeschoss.
Begründung der Denkmaleigenschaft
- Wissenschaftliche Gründe: Das stattliche Pfarrhaus mit Pfarrscheune ist ein anschauliches architekturgeschichtliches Dokument einer spätbarocken Pfarrhofanlage des 18. Jahrhunderts.
- Heimatgeschichtliche Gründe: Die repräsentative Anlage aus Pfarrhaus und Pfarrscheune vermittelt anschaulich Lebens- und Arbeitsweise eines Pfarrers im 18. Jahrhundert und besitzt hohen Aussage- und Assoziationswert.
Rechtsgrundlage
Das 1793 auf einem Vorgängerbau erbaute evangelische Pfarrhaus (Nr. 2) bildet mit der Pfarrscheuer (Nr. 4) die Sachgesamtheit Pfarrhof Musberg und ist ein Kulturdenkmal gemäß § 2 DSchG Baden-Württemberg aus wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Gründen. An seiner Erhaltung besteht aufgrund seines dokumentarischen und exemplarischen Wertes ein öffentliches Interesse.


