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Das evangelische Pfarrhaus

Ein Vorgängerbau des Pfarrhauses wird erstmals 1551 erwähnt, 1555 wird Baufälligkeit von Pfarrhaus und Pfarrscheuer beschrieben. Ein Verzeichnis vom Kloster Bebenhausen bezeugt das Baujahr 1744 (Stuttgart HSTA 704). Der berühmteste Bewohner des Pfarrhauses war von 1781 bis zu seinem Tode 1790 Pfarrer Philipp Matthäus Hahn. Hahn, Pietist und Verfasser theologischer Schriften, war auch Astronom und Erfinder zahlreicher mechanischer Werke wie Uhren, Waagen, Messgeräte. Zu seinem Hauptwerk zählt eine astronomische Uhr mit Planetenumlauf von 1769 (Württembergisches Landesmuseum). Philipp Matthäus Hahn wurde 1739 in Scharnhausen als Sohn eines Pfarrers geboren. Er kam nach seinem Studium über die Pfarreien Onstmettingen und Kornwestheim, im Jahre 1781 auf die ihm von Herzog Carl Eugen seit langem in Aussicht gestellte einträgliche Pfarrei Echterdingen.

Burgstraße 2: Evangelisches PfarrhausDas 1744 erbaute Pfarrhaus, ein traufständiger zweigeschossiger Fachwerkbau auf massiven Sockel, erhebt sich unter einem Krüppelwalmdach. Der Baukörper zeigt weitgehend Symmetrie der Fassaden, wie beispielsweise die dichten Fensterreihen mit Klappläden, sparsame Gestaltung der Gefache mit Querstreben und V-Streben. An der Schauseite führt eine einläufige Freitreppe mit einem schmiedeeisernem Geländer zum Haupteingang. Auf der Rückseite ein weiterer Zugang. An der westlichen Schmalseite eine zugemauerte Rundbogentür zum Untergeschoss mit Gewölbekeller.

Innen zeigt sich die weitgehend originale Grundrissaufteilung: Um einen langen Mittelflur ordnen sich die Zimmer, die Ebenen werden durch eine rückwärtig liegende Holztreppe erschlossen. Im Erdgeschoss nordöstlich vom Eingang befand sich früher ein beheizbares Zimmer für den ständigen Vikar. Im Südwesten ein weiteres heizbares Zimmer, das Hahn als mechanische Werkstatt benutzte, seit 1903 Versammlungsraum (Beschreibung 1905). Heute sind im Erdgeschoss die Büroräume des Pfarramtes untergebracht. Im ersten Obergeschoss befinden sich die Privaträume des Pfarrers, alle Zimmer mit Parkettböden und Stuckfriesleisten. Das erste Dachgeschoss ist zum Teil als Studierzimmer ausgebaut, die darüber liegende Bühne blieb unausgebaut, teilweise gepflasterter Boden.

Südöstlich hinter dem Pfarrhaus erstreckt sich der Pfarrgarten. Eine 1928 vom Uhrmacherverband gestiftete und neben der Eingangstür angebrachte Gedenktafel, erinnert an Philipp Matthäus Hahn und stammt von dem bekannten Stuttgarter Bildhauer Albert Gäckle. Die längsrechteckige Bronzetafel mit überhöhtem Mittelbogen zeigt ein plastisch ausgearbeitetes Porträt des Pfarrers. Darunter befindet sich die Inschrift Philipp Matth. Hahn Pfarrer *25. Nov. 1739 zu Scharnhausen +2. Nov. 1790 zu Echterdingen Ruhestätte bei der Kirche. Dem großen Meister und Erfinder in der Uhrmacherkunst & Seintechnik. Gewidmet vom Landesverband Württembergischer Uhrmacher 1928.

Begründung der Denkmaleigenschaft

  • Wissenschaftliche Gründe: Das Gebäude ist ein anschauliches architekturgeschichtliches Beispiel für den Pfarrhausbau des 18. Jahrhunderts.
  • Künstlerische Gründe: Form und Funktion des Pfarrhauses entsprechen sich in besonders gelungener Weise. Die Gedenktafel ist eine qualitätvolle künstlerische Arbeit der späten 1920er Jahre.
  • Heimatgeschichtliche Gründe: Das repräsentative Pfarrhaus dokumentiert anschaulich die Arbeits- und Lebensweise eines Pfarrers in einer wohlhabenden Pfarrgemeinde. Das Pfarrhaus war Wirkungsstätte des berühmten Pfarrers und Erfinders Philipp Matthäus Hahn und besitzt hohen Aussage- und Erinnerungswert.

Rechtsgrundlage

Das evangelische Pfarrhaus bildet mit der Gedenktafel an Philipp Matthäus Hahn und dem Pfarrgarten eine Sachgesamtheit und ist ein Kulturdenkmal gemäß § 2 DSchG Baden-Württemberg aus wissenschaftlichen, künstlerischen und heimatgeschichtlichen Gründen. An seiner Erhaltung besteht insbesondere aufgrund seines exemplarischen und dokumentarischen Wertes ein öffentliches Interesse.

 

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