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Waldumgang im Stadtwald zum Thema Klimawandel

Die Auswirkungen des Klimawandels auf den heimischen Wald waren das Thema beim diesjährigen Waldumgang. Das lockte am Samstagvormittag bei bestem Herbstwetter rund 40 Teilnehmer auf den Musberger Hau, die sich ebenso wie Mitglieder des Gemeinderates, Vertreter der Fachämter und Erste Bürgermeisterin Eva Noller von Forstdirektor Armin Tomm und Revierförster Dieter Lang über „Auswirkungen, die schon da sind“ (Tomm) berichten ließen.

Echterdinger Wald

Seit der industriellen Revolution zur Mitte des 19. Jahrhunderts wird es wärmer, die Temperatur stieg weltweit um ein Grad. Je nördlicher das Land, umso spürbarer werde das, sagt der Forstdirektor. Es sei ja nur ein Durchschnittswert, teilweise werde ein Plus um bis zu vier Grad gemessen. Das lässt Gletscher schmelzen, was weitere Auswirkungen auf das Klima mit sich bringt.

Der lokale Blick bestätigt den Trend. An der Messstation in Stuttgart-Hohenheim wurde 2015 ein Jahresdurchschnittswert von 11,1 Grad festgestellt. Der langjährige Mittelwert liegt bei 8,8 Grad, was ein Plus von 2,3 Grad bedeutet. Dieser Wert liegt bereits über der Empfehlung des Pariser Klimaabkommens zur globalen Erwärmung (unter 2 Grad bis zum Jahr 2050). „Wenn man jetzt auf die Bremse tritt, reicht das schon nicht mehr aus“, so Tomm mit Blick auf das Klimaabkommen. „Die Vegetation beginnt inzwischen drei Wochen früher“. Es gibt immer mehr extrem heiße Tage und gleichzeitig weniger Frosttage.

Auch die letzten beiden Jahre waren trockene Jahre. Ausgetrockneter Boden aber kann den Regen nur mühsam aufnehmen. Das wichtige Nass gelangt nicht in den Boden, in das „Rohrsystem des Waldes“ (Tomm), sondern fließt ab. Weniger Nässe im Boden bedeutet aber auch weniger stehendes Gewässer und Tümpel und somit weniger Lebensraum für Insekten. Die aber sind Nahrung für Vögel. Der Klimawandel destabilisiert das System Wald.

Der Stadtwald besteht aus 37 Prozent Nadelholz und 63 Prozent Laubholz. Die Baumarten reagieren unterschiedlich auf den Klimawandel. Die von der Bauwirtschaft bevorzugte Fichte „kommt schnell unter Wasserstress“, sagt Tomm. Sie habe auf Sicht nur im Mischbestand, zwischen Laubholz, eine Chance.
Eine Alternative ist  die robustere Douglasie. Das in Nordamerika heimische Nadelgehölz soll in den nächsten 50 Jahren vermehrt im Stadtwald angepflanzt werden.

Gut zurecht kommt die Buche mit den klimatischen Veränderungen. Noch besser  trotzt die Eiche den klimatischen Veränderungen. Sie braucht weniger Wasser, ist temperaturunempfindlicher, verlangt aber nach Licht, vor allem die jungen, noch niedrigen Bäume. Sie werden vom „Lichtwaldkonzept“ profitieren, das für Baden-Württembergs Wälder in Arbeit ist.

Ökologisch gut ist immer ein Mischwald. Denn die genetische Vielfalt ist auch für Flora und Fauna am Waldboden von Nutzen. Im Eichenwald leben andere Tiere als im Buchenwald. Durch die natürliche Verjüngung nach dem Sturm „Lothar“ ist in manchen Teilbereichen des Stadtwaldes wieder der erwünschte Baummix vorhanden.

Nicht immer, machte der Forstdirektor deutlich, erweist sich der Eingriff durch Menschenhand im Nachhinein als sinnvoll. Andererseits könne der Mensch durchaus eine positive Auslese fördern, indem er beispielsweise Bäume an einem für sie ungünstigen Standort entnimmt.

„Bannwald“ ist ein neues Stichwort in der Forstwirtschaft. Das sind Wälder, die aus der Bewirtschaftung herausgenommen werden und durch ihre Strukturvielfalt und Totholzrefugien zugleich Rückzugsgebiete für bedrohte Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind. Ein Bannwald dient zudem der wissenschaftlichen Erforschung der natürlichen Abläufe in Wäldern.

Der Spaziergang führte die Waldgänger am Samstag auch an der Grillstelle auf dem Hau vorbei. Die Grillhütte war im März (nicht das erste Mal) abgebrannt. Eine Überdachung aus Stahl soll das künftig verhindern, berichtete Revierförster Dieter Lang.

Auch Fragen nach den oft monatelang an den Wegen gestapelten Baumstämmen konnten die Forstmitarbeiter beantworten. Ob denn das Holz nicht verkauft werde? Doch, beruhigte Armin Tomm: „Das ist alles bezahlt.“ Allerdings würden manche Firmen den Waldrand als vorübergehende Lagerfläche nutzen, zwar nicht für Möbelholz, aber für einfachere Holzverarbeitungen, wie etwa Paletten.