Pfeil nach unten

Lärmschutz S21: Stadt sucht nach Alternativen

Im vergangenen Sommer hatte die Bahn ihr Schallschutzkonzept für den Stuttgart 21-Filderabschnitt dem Gemeinderat  präsentiert. Die Kombination aus bis zu vier Meter hohen Schallschutzwänden und neuartigem Lärmschutz, der direkt an den Schienen greift (Schienensteg-Abschirmung, Schienenschmieranlagen), konnte das Gremium und die Stadtverwaltung nicht überzeugen.

Die Stadt hat deshalb das Stuttgarter Büro Luz Landschaftsarchitektur mit Gestaltungsvorschlägen beauftragt, wie der Lärmschutz besser in das Stadtbild integriert werden könnte. Sie wurden kürzlich im Gemeinderat vorgestellt. Das Aussehen der Lärmschutzwände sei wichtig, sagte OB Klenk. „Wir werden mit diesen Bauwerken lange leben müssen.“

Die Landschaftsplaner präsentierten Gestaltungsvorschläge, die „über rein funktionales und ingenieurmäßiges Handeln  hinausgehen“. Die Topografie des jeweiligen Streckenabschnitts gibt freilich vor, ob eine Wand oder doch ein aufgeschütteter Wall angelegt und begrünt werden kann.

Das Büro Luz setzt anstelle von hohen Wänden auf begrünte Stützmauern, wodurch beispielsweise das Gelände neben einem tiefliegenden Gleisbereich aufgefüllt würde und der Bereich oben auf dem Wall etwa für Ticketautomanten oder auch  Sitzgelegenheiten genutzt, also mit funktionalen Aspekten kombiniert werden könnte. Auch Hecken und Baumreihen können Mauern in den Hintergrund rücken.

Als schwierigen Abschnitt, wenn es um die Gestaltung gehe, bezeichnete Christof Luz allerdings die Strecke Schützenweg/Neuer Markt aufgrund des ansteigenden Geländes. Und auch der Lärmschutz entlang der Rohrer Straße werde wohl „immer eine Wand sein“.

Man müsse die Detailplanung auf jeden Fall mit der Bürgerschaft diskutieren, sagte Stadtrat Klauser (SPD): „Dieser Lärmschutz verändert die Stadt entscheidend!“ Bei einer Lärmschutzwand und dem dann nicht mehr einsehbaren Bahnhof Oberaichen habe er allerdings kein gutes Sicherheitsgefühl. Auch Stadträtin Fellmeth (CDU) wünschte sich „mehr Transparenz“ am Bahnhof Oberaichen.

Deutliche Mehrkosten

Ihre Begeisterung halte sich in Grenzen, befand auch Stadträtin Grischtschenko (Grüne), allerdings: „Die Finanzen für mehr Verschönerung sehe ich noch nicht.“ „Eine ganz grausame Sache“, konstatierte Stadtrat Dr. Huber (Freie Wähler) knapp, „das macht unsere Stadt kaputt“.

Auf die Frischluftschneise von der Rohrer Höhe hinab nach Stuttgart wies Stadträtin Moosmann (Filderpiraten) hin: „Eine Mauer in Oberaichen wäre ein Hindernis“.

Die ursprünglichen Pläne der Bahn waren mit 4,6 Mio. Euro beziffert worden, Kosten, die die Bahn übernehmen müsste. Der Rechtsstreit habe sich gelohnt, sagte OB Klenk, die Stadt habe sich „einige Millionen“ erspart. Zur Erinnerung: Da die Strecke zwischen Rohrer Kurve und Flughafen aufgrund der Variante „Drittes Gleis“ als Neubaustrecke gilt, entfällt der Schienenbonus; der hätte bei der Berechnung der Schallschutzansprüche den Schallpegel um 5 dB(A) reduziert.

Mit den Luz-Entwürfen würden sich die Kosten mindestens verdoppeln. Die Bahn wolle von Mehrkosten allerdings nichts wissen, das habe sich bei ersten Kontakten bereits gezeigt, berichtete Landschaftsplaner Luz.

„Sind uns die Schönheitsmaßnahmen die Mehrkosten wert?“, gab Stadträtin Onayli (LE Bürger/FDP) zu bedenken; das Geld werde an anderer Stelle fehlen. Man müsse die Bürger auch aus diesem Grund am Entscheidungsprozess beteiligen.

Die Stadtverwaltung wird jetzt gemeinsam mit dem Planungsbüro Luz und der Bahn die neuen Vorschläge und deren Realisierbarkeit erörtern.