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Fund aus dem alten Friedhof wird ausgestellt

„Es war eine kleine Sensation“, sagt Bürgermeister Dr. Carl-Gustav Kalbfell, und er meint die Dokumente, die bei der Restaurierung des Kriegerdenkmals vergangenes Jahr im Alten Friedhof Musberg in der Grundsteinlegungskapsel entdeckt wurden.

Foto mit BM Dr. Carl-Gustav Kalbfell, Jürgen Helmbrecht und Dr. Bernd Klagholz vom Stadtarchiv
Foto: Bergmann

Darunter Fotografien u.a. mit Bürgermeister Gustav Egler, eine Festschrift des Musikvereins zum Bezirksmusikfest 1925, Geldscheine und eine Liste mit den gültigen Preisen in Reichsmark – und eine bis dato unbekannte, aus mehreren Einzelbildern bestehende Panoramafotografie. Sie zeigt markante Gebäude wie die Kirche, das Rathaus, die Schule, den einstigen Gasthof „Hirsch“ und den Gasthof „Zur Brücke“ (heute „Reichenbachtal“). Die Dokumente waren bei der Errichtung des Kriegerdenkmals 1931 eingemauert worden – „Aus schwerster Zeit späteren Generationen zum Gruss!“, so die Niederschrift.

Jetzt werden diese Zeugnisse von Alt-Musberg der Öffentlichkeit gezeigt. Der renovierten, digitalisierten und vergrößerten Panoramaufnahme wurde eine aktuelle Fotografie, aufgenommen aus Richtung Eichberg, gegenübergestellt. Dazu werden rund 50 historische Fotografien aus jener Zeit der Weltwirtschaftskrise gezeigt, die einen Eindruck vom Leben in Musberg in den 1930er-Jahren geben: Ortsansichten, Feuerwehr und Turnverein, die Nähschule und Konfirmanten, Faller-Modellbausätze des Bahnhofs Musberg und der Mäulesmühle. Auch das vom Theater- und Kulturverein 2007 nachgebaute Modell der „Bettelmühle“ wird ausgestellt. Sie wurde 1933 von Arbeitslosen mit erbettelten Material – daher der Name – gebaut, am Weg nach Steinenbronn aufgestellt und bot ein beliebtes Ziel am Sonntagsausflug.

„Musberg war ein eher ärmerer Flecken“, so BM Dr. Kalbfell. Manch einer verdingte sich als Arbeiter in Stuttgart, von wo kommunistisches Gedankengut hoch auf die Fildern schwappte: Als „Klein-Moskau“ galt Musberg angesichts des hohen Stimmanteils der KPD bei Wahlen, zeigt Dr. Bernd Klagholz, Leiter des Stadtarchivs, anhand einer ebenfalls ausgestellten Grafik: 1928 waren es 47%, 1930 51%, und noch 1933, nach der Machtergreifung, wählte Musberg mehr kommunistisch (39%) denn nationalsozialistisch (33%).

Die Ansiedlung erster Betriebe, wie Eugen Wolf Metallwarenfabrik oder MHZ („Mechanischer Hachtel-Zug“), war ein Segen für viele Menschen im Ort. MHZ Hachtel Sicht- und Sonnenschutzsysteme ist inzwischen auch ein Förderer des Stadtarchivs, dem es Räume im Firmengebäude Schönaicher Sträßle mietfrei überlässt.

  • Zur Eröffnung am Freitag, 18. Mai, 17 Uhr, im Stadtarchiv, Schönaicher Sträßle 4, lädt die Stadt herzlich ein. Stadtarchivar Klagholz wird in die Ausstellung einführen, das Querflötentrio Jasmin Watzal, Tabea Weiß und Carina Schönewald umrahmt die Eröffnung. Geöffnet ist sonntags 14-17 Uhr, bis 27. Juli, werktags nach Vereinbarung, Tel. 99 754 08