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Feuerwehr in Stetten: Alternativer Standort kommt ins Gespräch

Mit 14 zu 11 Stimmen und bei einer Enthaltung hat sich der Gemeinderat am 24. Juli nach einer emotionalen Debatte für das Haldenareal als Standort der Freiwilligen Feuerwehrabteilung Stetten entschieden. In dem Gebäude soll außerdem das örtliche DRK unterkommen. Nach einer Sitzungsunterbrechung hatte Stadtrat Vohl (Freie Wähler) den Antrag auf Abstimmung über den Standort Haldenareal gestellt.

Foto: Bergmann

Die CDU und die Grünen hatten hingegen die Standortempfehlung von Verwaltung und Feuerwehr bejaht, nämlich am alten Rathaus. Jetzt könnte es dennoch anders kommen.

Oberbürgermeister Roland Klenk – der am Ende der Sitzung erklärt hatte, er werde sich überlegen, von seinem Vetorecht Gebrauch zu machen – hat vor wenigen Tagen im Gespräch mit Vertretern der Feuerwehr einen alternativen Standort ins Gespräch gebracht und diesen den Fraktionsvorsitzenden bereits präsentiert: an der Jahnstraße.

Das Grundstück, auf dem sich noch die alte Sporthalle der SpVgg Stetten befindet, steht wieder zur Verfügung, nachdem die Freie Aktive Schule aus Leinfelden doch nicht dorthin umziehen wird. Die Stadt möchte das Grundstück erwerben. „Die drei Millionen Euro, die der Standort Haldenareal mehr kosten würde, könnten wir uns somit sparen“, sagt OB Klenk. Die Feuerwehr kann sich diesen Standort gut vorstellen als künftiges Domizil. OB Klenk wird das Thema in der Gemeinderatssitzung am 18. September deshalb erneut auf die Tagesordnung setzen.

In der Sitzung der vergangenen Woche waren noch einmal beide Standorte an der Weidacher Steige dargestellt worden. Schon vor einem Jahr habe sich die Verwaltung für das Rathausareal ausgesprochen, damals jedoch vom Gemeinderat den Auftrag erhalten, auch das Haldenareal auf seine Eignung detaillierter zu prüfen, erinnerte Baubürgermeisterin Eva Noller.

Aus städtebaulichen Gesichtspunkten ist die Verwaltung gegen einen Neubau auf diesem kompakten Quartier. Wohnbebauung, wie vorgesehen, wäre dort dann nur noch auf einem kleinen Teilbereich realisierbar. Und es wäre ein Interimsbau für die Feuerwehr notwendig, der mit 1,8 Mio. Euro beziffert wird. Der Abbruch des alten Feuerwehrgebäudes wäre zudem zeitlich abhängig vom Umzug bzw. den Planungen der anderen Nutzer (Kindergarten und Vereine). Eine Realisierung hält die Verwaltung deshalb nicht vor 2023 für machbar. Mit 7,4 Mio. Euro Baukosten wird gerechnet.

Schneller ginge es auf der bislang wenig genutzten Spielfläche am alten Rathaus, wo nach Ansicht der Planer der Einzug schon 2021 möglich wäre. 4,4 Mio. Euro Baukosten werden hier genannt, u.a. weil durch den Grundstücksverkauf am Haldenareal (für Wohnungsbau) wiederum 2,4 Mio. Euro erzielt werden könnten. Das alte Rathaus selbst soll für Vereinszwecke genutzt werden.

Auch Feuerwehrkommandant Wolfgang Benz hatte sich eindringlich für den Standort Rathausareal ausgesprochen, zumal die Abhängigkeit am Haldenareal von mehreren Objekten „die noch nicht einmal geplant sind“ zu Verzögerungen führen dürfte.

Zustimmung gab es von der CDU. Man wolle keine Zeitverzögerung, die angesichts des „Umzugszenarios“ teuer werden könne, sagte Ilona Koch. Namens der Grünen-Fraktion sprach sich auch Ingrid Grischtschenko für den Standort Rathausareal aus.

In der Gesamtschau, so Stadtrat Dr. Hans Huber, würden die Freien Wähler das Haldenareal bevorzugen. Eine Interimslösung für die Feuerwehr halte er „nicht zwingend erforderlich“, argumentierte FW-Stadtrat Vohl. Und die Ortsmitte mit Kirche, Feuerwehr, Vereinen sei am Haldenareal, nicht am alten Rathaus.

Das Entstehen eines neuen Ortszentrums neben dem alten Rathaus, von dem die Verwaltung ausgehe, sehe er dort nicht, diese Ansicht vertrat auch Stadtrat Klauser (SPD), schließlich sei die Feuerwehr eine technische Einrichtung. Er halte auch nichts davon, Stettener Grundstücke „auf den Markt zu werfen“.

Stadtrat Haug (FDP) präsentierte noch einen 7-Stufenplan für das Haldenareal, ohne Interimslösung und mit mehr Raum für Grünzüge. Auch Stadträtin Moosmann (Freunde der Filderpiraten) plädierte für das Haldenareal.  

Angesichts der neuerlichen Auseinandersetzung mit dem Thema, obwohl schon seit Jahren diskutiert worden sei, fand OB Klenk am Ende der Sitzung deutliche Worte: „Politikverdrossenheit entsteht bei den Menschen auch durch den Eindruck, dass nicht entschieden wird.“