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Wetterkapriolen setzen den Landwirten zu

Der Klimawandel ist in Leinfelden-Echterdingen angekommen – das berichteten die Landwirte bei den diesjährigen Felderrundfahrten in Echterdingen und Stetten. Die Landwirte nutzten auch in diesem Jahr die Gelegenheit, Bürgermeister, Stadträte und Vertreter der Fachämter bei den Rundfahrten auf dem Traktor über den Zustand ihrer Äcker zu informieren.

Mehrere Personen fahren auf einem Traktor-Anhänger mit Regenschirm über die Felder von Stetten und Echterdingen.
Trotz strömendem Regen haben zahlreiche Stettener an der Felderrundfahrt teilgenommen. | Foto: Tetik

Fritz Auch-Schwarz, Obmann der Echterdinger Landwirte, sagte bei der Felderrundfahrt in Echterdingen: „Wetterextreme wie Starkregen, Frost und Hitzeperioden mit starker Trockenheit setzen den Feldfrüchten zu.“ Hansjörg Güthle vom Landwirtschaftsamt Nürtingen sagte bei den Rundfahrten, dass die man in diesem Jahr eine mittlere Ernte auf den Fildern erwarte. „Spitzenwerte werden wir nicht haben, man merkt die zunehmend heißen Temperaturen“, so Güthle. Durch den Frost im April seien insbesondere die Frühkulturen beschädigt worden. Eindeutige Einbußen prognostizierte Güthle bei der Apfelernte in diesem Jahr. „Der Frost hat dem Streuobst massiv zugesetzt“, sagte er. Weizen und Mais haben die Kälte hingegen fast unbeschadet überstanden. „Wir hoffen jetzt noch auf etwas Regen“, so Güthle. Denn auch die Hitzeperioden schaden den Feldfrüchten. „Diese brutale Hitze tut unseren Pflanzenkulturen nicht gut“, sagte Güthle. Trotz des fruchtbaren Lehmbodens sei es denkbar, dass künftig Kraut und Kartoffeln bewässert werden müssten.

Die Landwirte nutzten die Gelegenheit auch, um ihre Sorgen loszuwerden. Walter Vohl, Obmann des landwirtschaftlichen Ortsvereins Stetten, berichtete bei der Felderrundfahrt, dass die Vorfahrtsregelung an der Kompostierungsanlage suboptimal sei. Wenn sich der Verkehr auf der Kreisstraße staut, komme man über die Querung nicht mehr auf die Feldwege. Die Bauern in Echterdingen kritisierten die Ampelschaltung auf der Landesstraße bei der Messe. Fritz Auch-Schwarz berichtete, dass man dort lange steht, bevor die Anlage auf grün schaltet. Hans-Ulrich Rollmann von der Messe Stuttgart erklärte, dass die Ampel nach 53 Sekunden umschalte, signalisierte aber, dass man darüber reden könne. Auch-Schwarz hakte nach, ob an der Zufahrt zum Feldweg an der Landesstraße eine Schranke vorgesehen sei. Hintergrund ist der, dass an besucherstarken Messetagen Autofahrer die Feldwege zuparken. Ein städtischer Vertreter versicherte, dass an dieser Stelle keine durchgängige Schranke geplant sei. Stattdessen soll verstärkt Security eingesetzt werden, um dem Wildparken einen Riegel vorzuschieben. „Es muss rigoros abgeschleppt werden“, forderte Auch-Schwarz.

Gefahrenpotential birgt laut dem Obmann die Unterführung unter der B27. „Die Brücke ist viel zu niedrig“, schilderte Auch-Schwarz. Zahlreiche Fahrzeuge wie Mähdrescher und Häcksler seien dort bereits steckengeblieben. Hier herrsche dringender Handlungsbedarf. Ein ärgerliches Dauerthema sind laut Auch-Schwarz rücksichtslose Radfahrer und Jogger, die zunehmend aggressiv auftreten. „Wir werden oft beleidigt und angeschrien, dabei sind die Feldwege in erster Linie Arbeitswege der landwirtschaftlichen Betriebe“, so Auch-Schwarz. Oft komme es zu lebensgefährlichen Begegnungen, wenn rasende Radler an den tonnenschweren Traktoren vorbeirauschen. „Es ist ein Glück, dass bisher noch nichts passiert ist“, kritisierte der Landwirt.

Die Echterdinger Landwirte beklagten außerdem, dass Firmen oftmals unangemeldet und kurzfristig Bohrungen und Arbeiten auf den Feldwegen durchführen und somit die Arbeit der Bauern beeinträchtigen. Lob gab es sowohl in Echterdingen als auch bei der Rundfahrt in Stetten für die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs. „Die Zusammenarbeit mit dem Bauhof klappt sehr gut“, so Fritz Auch-Schwarz. An einigen Stellen sei der Rückschnitt von Bäumen notwendig. Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell versicherte, dass man sich um die Belange kümmern werde.