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Entwicklung Filder: OB Klenk fordert konzertierte Aktion

„Wer kümmert sich eigentlich um die überörtlichen Auswirkungen der rasanten städtebaulichen Entwicklungen auf den westlichen Fildern?“, fragt sich Oberbürgermeister Roland Klenk angesichts der bevorstehenden großen Gewerbeansiedlungsvorhaben. Im Synergiepark Vaihingen/Möhringen werden der Versicherungskonzern Allianz und der Autobauer Daimler bis zu 10.000 Arbeitsplätze schaffen. Aber auch Leinfelden-Echterdingen spürt den enormen Ansiedlungsdruck.

Foto: Bergmann

Anfragen gibt es genug. Die jüngste stammt von einem Weltkonzern der Metallbranche, der sich mit 2.000 Beschäftigten hier niederlassen möchte. Platz böte das Gewann Rötlesäcker, das im Flächennutzungsplan als Gewerbegebiet ausgewiesen ist. Doch zunächst ist im Juli Spatenstich in Unteraichen, wo der Konzernbereich Daimler Trucks am Fasanenweg Büros für rd. 2.200 Mitarbeiter baut. „Auf der Filder schlägt das wirtschaftliche Herz der Region“, sagt OB Klenk. „Das ist im Prinzip erfreulich, bloß: Wie kommen all die Menschen zu ihrem Arbeitsplatz?“

Es bedürfe wenig Phantasie, sich die verkehrlichen Auswirkungen weiterer Ansiedlungen auf Flughafen, Messe und auch das Stadtgebiet von Leinfelden-Echterdingen vorzustellen. Man rede zwar von der „Mobilitätsdrehscheibe“ am Flughafen und einer „Zukunftsregion Filder“, vergesse dabei aber offenbar eine untereinander abgestimmte Untergliederung der Verkehrsanbindungen.

„Da schwirren Ideen von einer Seilbahn zwischen dem Flughafen und dem Gewerbestandort Vaihingen in den Stuttgarter Köpfen herum, ohne dass die Stadt Leinfelden-Echterdingen darüber jemals ins Bild gesetzt worden wäre“, stellt Klenk verwundert fest. Wobei er betont, dass man über eine Seil- oder Schwebebahn durchaus nachdenken dürfe, denn: „Mit Straßen und Schiene allein kriegen wir’s nicht gebacken.“

Die „Perlenkette“ Flughafen/Messe – Echterdingen-Nord (heute schon Hotelstandort mit 530.000 Übernachtungen jährlich, den meisten in der Region nach Stuttgart) – Gewerbegebiet Leinfelden – Gewerbegebiet Vaihingen/Möhringen müsse verbunden werden. Auch der Autobahnanschluss Möhringen sei ein Nadelöhr und sollte ausgebaut werden. Und ein weiteres großes Parkhaus über der Autobahn, vielleicht als Station für eine Schwebebahn – warum nicht?

Die Verkehrssituation nördlich und südlich der Autobahn müsse „gemeinsam gedacht und geplant werden“, betont er. Die Autobahn sei eine künstliche Grenze. „Es müssen alle Beteiligten an einen Tisch!“ Dazu gehören seiner Meinung nach die Landesregierung, das Regierungspräsidium, der Verband Region Stuttgart und die Landeshauptstadt. Einen entsprechenden Vorstoß haben er und Baubürgermeisterin Eva Noller vor kurzem beim Regierungspräsidenten gemacht. Aber auch die Wirtschaftsverbände will OB Klenk an diesem Prozess beteiligt sehen.

EBM Noller verweist auf die Mobilitätsstrategie der Stadt, die, neben vielen kleineren Maßnahmen, mit der U5-Verlängerung, der neuen U6-Verbindung oder der angedachten Osttangente von der Maybach- bis zur Max-Lang-Straße als Teil der Nord-Süd-Straße zur Verkehrsentlastung und Verkehrssteuerung beitragen wird. Es gibt 31.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Stadt und täglich 27.000 Einpendler. Noller verweist in dem Zusammenhang auf die Baulandentwicklung und nennt konkret die Aufsiedlung der Schelmenäcker: Auch mit mehr Wohnraum für die Arbeitnehmer in der Stadt können Straßen vom Durchgangsverkehr entlastet werden.

„Wir haben unsere Hausaufgaben auf eigener Markung gemacht“, sagt OB Klenk. Es gehe keineswegs um eine grenzenlose Entwicklung und tausende neue Arbeitsplätze, macht er deutlich, aber: „Wir müssen Versäumtes aufholen, um Potential für weitere Entwicklung zu schaffen.“ Infrastruktur müsse man ausbauen, wenn, wie jetzt, die Kassen voll sind. „Dann sollte man aber auch mal das große Geld in die Hand nehmen und nicht bloß Pflästerle draufkleben – wie so oft in Deutschland.“

Das bedeute freilich, dass die Politik Grundsatzentscheidungen treffen müsse. „Unsere Gesellschaft muss sich überlegen, was sie für ihren Wohlstand tun will“, mahnt er. Angesichts des Wandels der Industriegesellschaft hin zu Digitalisierung oder E-Mobilität müsse man dem Neuen Raum geben und dürfe nicht in veralteten Strukturen stecken bleiben: „Sonst geht es uns wie einst dem Ruhrgebiet …“