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Einzelhandelskonzept: Mehr Aufenthaltsqualität in den Ortskernen

Noch bis zum 27. April liegt der Entwurf für das künftige Einzelhandelskonzept öffentlich zur Einsicht und Stellungnahme aus. Im Juni will der Gemeinderat das Konzept beschließen. Gelegenheit zum Austausch bot ein Informationsabend am Montag in der Filderhalle. Es gehe darum, die Ortskerne zu stärken und den Einzelhandel zu schützen vor Ansiedlungen am Ortsrand, betonte Erste Bürgermeisterin Eva Noller.

Im Juni wird das Einzelhandelskonzept vom Gemeinderat beschlossen. | Foto: Bergmann

Um dies zu steuern, benötige man entsprechendes Planungsrecht, denn Bebauungspläne müssten gegebenenfalls geändert werden.

Die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) hat die Situation in Leinfelden-Echterdingen analysiert und Ende letzten Jahres ein Sortiments- und Standortkonzept für das Zieljahr 2025 vorgelegt. In den Ortskernen aller Stadtteile soll demnach auf die Grundversorgung geachtet werden. Leinfelden und Echterdingen sollten darüber hinaus mit hochwertigem Einzelhandel, Dienstleistung und Gastronomie gestärkt werden. Einzelhandel in Randlagen und Gewerbegebieten, wo schon jetzt Discounter oder Baumärkte zu finden sind, sollten ausgeschlossen werden, damit keine Konkurrenz zum innerstädtischen Einzelhandel entsteht.  

Attraktive Ortskerne sind gut für den Einzelhandel. Das erfordert städteplanerische Maßnahmen. EBM Noller verwies auf Sanierungsvorhaben wie das jetzt anlaufende Projekt „Historische Mitte Echterdingen oder das neue Stadtquartier Schelmenäcker, das an den Neuen Markt angebunden wird. Auch der Citybus, der Leinfelden und Echterdingen verbinden wird, sei hier zu nennen.

Eine Verkehrsentlastung der Innenstadtstraßen, aber auch ein durchdachtes Parkkonzept („Wie sollen die Kunden aus fünf Ortsteilen sonst zu uns kommen?“) sehe der Einzelhandel als ganz wesentlich an, wenn es um attraktive Ortskerne gehe, machte Ralf Schröder deutlich, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Echterdinger Fachgeschäfte. Das bestätigte Wolfgang Treiber: Ohne Aufenthaltsqualität wäre „alles für die Katz“. Doch er warnte vor zu viel Reglementierung seitens der Stadt.

Der Gemeinderat könne vor allem vorschreiben, was nicht geht, nämlich großflächiger Handel am Stadtrand, betonte Stadträtin Ingrid Grischtschenko (Grüne). Stadtplanung wie auch Verkehrsführung seien politische Entscheidungen, sagte Stadtrat Jürgen Kemmner (L.E. Bürger), der Gemeinderat werde entscheiden müssen.

Für Konzeptionen zur Verkehrsentlastung brauche man allerdings die Mitwirkung der Gesamtregion, darauf machte Gabriele Ostertag von der GMA aufmerksam.

Romy Giessler, Vorsitzende Verbund Leinfelder Fachgeschäfte, vermisste Aussagen über konkrete Maßnahmen, zumal die Datenerhebungen nicht mehr aktuell seien. Die wesentlichen Aussagen zum Einzelhandel blieben trotz zeitlicher Distanz gleich, äußerte GMA-Projektleiter Dr. Stefan Holl. Die Aktualisierung „an einigen Stellschrauben“ sollte dennoch machbar sein, befand auch Ingrid Grischtschenko.

Wichtig war den Anwesenden, dass nicht Leinfelden und Echterdingen „gegeneinander ausgespielt werden“.

Holl betonte, dass es nichts nütze, „nach dem Gießkannenprinzip“ zu verfahren. Echterdingen sei ein gewachsener Standort und sollte deshalb schwerpunktmäßig weiterentwickelt werden. Auch Daniel Ludin, Vorstandsmitglied der Industrie- und Wirtschaftsvereinigung Leinfelden-Echterdingen IWV, plädierte für die Stärkung von Echterdingen und war der Ansicht: „Das erfordert aber eine Menge Invest!“ Leinfelden müsse Grundversorgung bieten.

Romy Giessler erinnerte daran, dass auch Leinfelden über ein großes Gewerbegebiet verfüge, „dessen Beschäftigte vor Ort einkaufen und ihre Pause verbingen möchten“. Die Stadt, so EBM Noller, verfolge ein Zwei-Zentren-Konzept.

Ärgerlich bleibe, dass LE weiterhin Unterzentrum sei und zum Beispiel kein Möbelhaus ansiedeln dürfe, sagte Stadtrat Wolfgang Haug (FDP).