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Amtseinsetzung: Klenk greift das Thema Sicherheit auf

Mit annähernd 300 Gästen konnte Oberbürgermeister Roland Klenk am 9. Januar seine nunmehr dritte Amtseinsetzung feiern. Für das alte und neue Stadtoberhaupt gab es zahlreiche Glückwünsche.

Stadtrat Dr. Hans Huber vereidigte OB Roland Klenk. | Fotos: Bergmann

Erste Bürgermeisterin Eva Noller, die diese Festsitzung des Gemeinderates eröffnete, konnte Vertreter aus Politik und Wirtschaft begrüßen, darunter die Bundestagsabgeordneten Judith Skudelny und Nils Schmid, den Landtagsabgeordneten Andreas Deuschle, Landrat Heinz Eininger, sowie Amtskollegen aus den Nachbarkommunen: OB Christoph Traub (Filderstadt), BM Johann Singer (Steinenbronn) und BM Michael Lutz (Waldenbuch). Auch Alt-OB Wolfgang Fischer und die ehemaligen Bürgermeister Eberhard Breitling und Rainer Häußler waren gekommen. Nollers besonderer Gruß galt aber nicht zuletzt den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt: „Denn Sie haben Herrn Klenk gewählt und ihm Ihr Vertrauen geschenkt!“

Von links: BM Dr. Carl-Gustav Kalbfell, Landrat Heinz Eininger, Regierungsvizepräsidentin Dr. Alexandra Sußmann, EBM Eva Noller und OB Roland Klenk

Das gute Ergebnis von 88 Prozent bei der Wiederwahl im November sei in der Tat ein klarer Vertrauensbeweis, sagte Regierungsvizepräsidentin Dr. Alexandra Sußmann in ihrer Würdigung. „Leinfelden-Echterdingen ist mehr als Messe und Flughafen“, betonte sie, „die Stadt ist sehr gut aufgestellt – auch finanziell.“ Und an Roland Klenk gewandt: „Unter Ihrer Führung hat sich die Stadt gut entwickelt. Ich weiß die Geschicke bei Ihnen in guten Händen.“

Die Verpflichtung und Vereidigung lag einmal mehr in den Händen des dienstältesten Stadtrats Dr. Hans Huber. Er zitierte aus Salomos Sprüchen: „Wanke weder zur rechten noch zur linken, auf dass du bewahrest guten Rat.“ Kontinuität tue der Stadt gut, und er sehe mit Respekt den „stets gelassenen Durchblick und Humor“ des Oberbürgermeisters. Doch die Stadt liege im Brennpunkt der regionalen Entwicklung. „Ich bewundere Ihren Mut!“, so Huber. Probleme würden zunehmend nur noch formuliert, aber nicht mehr gelöst. Pragmatismus sei gefragt. „Praktikable Lösungen erwarten wir auch von Ihnen“, sagte er, und verriet in dem Zusammenhang: „Es lässt sich trefflich mit Ihnen streiten, Herr Klenk. Ich habe schon manchen Schultes erlebt. Aber keiner hat mir so wenig Angriffsfläche geboten wie Sie!“  

Rund 300 Gäste sind zur Amtseinsetzung von OB Klenk ins Walter-Schweizer-Kulturforum nach Echterdingen gekommen.

Der Gemeinderat werde ihn begleiten, freilich auch kritisch, und so fehlte der oft zitierte Huber’sche Hinweis nicht: „Der Gemeinderat bleibt das Hauptorgan.“ Obwohl dieser immer mehr eingeschränkt werde durch politische und europaweite Regelungen. „Ich bin sicher, dass Sie für unseren Lebensraum das Bestmögliche herausholen wollen.“

Damit dies gelingt, gab es von Katja Miehle namens des Personalrats zur Gratulation noch eine Fahrradtasche für das Klenk’sche Pedelec mit allerlei Nützlichem, darunter einem „Geduldsfaden, der nicht reißt“.

Er empfinde Freude und Dankbarkeit angesichts des Vertrauens, das man ihm am Wahltag erwiesen habe, sagte der erneut verpflichtete Oberbürgermeister in seiner Antrittsrede. „Es ist mir nicht Last, sondern Ansporn!“ Doch er habe sich entschieden, in seiner Antrittsrede nicht noch einmal seine Ziele für die kommende Amtszeit aufzuzählen. Stattdessen hatte OB Klenk seine Rede von der Kandidatenvorstellung im Oktober in der Filderhalle auslegen lassen. Denn: „Alles was darin zu lesen ist, gilt unverändert, auch nach der Wahl.“

Musikalisch umrahmt wurde die Amtseinsetzung vom Klavierduo (Florian Fuchs, Philipp Steeb) …

Wichtiger erschien ihm, ein anderes Thema aufzugreifen, das die Bürgerinnen und Bürger bewege: nämlich die wachsende Sorge um die Sicherheit und Gewaltbereitschaft – auch wenn dies, wie er betonte, noch kein Problem in der Stadt sei. In dem Zusammenhang wies er darauf hin, dass es eine öffentliche Informationsveranstaltung im März geben werde, bei der die Polizei zur Sicherheitslage auf den Fildern und auch vor Ort informieren werde.

Das Gefühl der Unsicherheit in der Bevölkerung nehme zu angesichts der Berichte über Übergriffe, zuletzt selbst auf Einsatz- und Rettungskräfte. Und so frage er sich: „Müssen wir Gewaltprävention neu justieren?“ Zwar gebe es Entsetzen und Mitgefühl über derartige Meldungen und Ereignisse, aber zugleich „eine fatale Form der Gleichgültigkeit bis hin zu einer resignativen Gewöhnung“. Man dürfe dieses Thema nicht Populisten und Radikalen überlassen.

… und dem Posaunenquartett (Uli Röser, Manfred Plotzitzka, Herbert Röttenbacher, Wilfried Gassner) der Musikschule.

Doch er höre von Mitbürgern, dass sie als eben solche bezeichnet werden, wenn sie ihre Sorgen um die tägliche Sicherheit äußern und Erwartungen an die Politik richten. Zu „Mut, sich zu äußern“, rief er auf. „Wer innere Sicherheit und Gewaltfreiheit fordert, ist kein politischer Extremist, sondern reklamiert selbstverständliche, grundlegende Voraussetzungen für ein freies und würdevolles Leben.“ Klenk zitierte den Artikel 1 des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Diese Würde müsse der Staat wahren, indem er den Einzelnen vor Angriffen Dritter schützt, und zwar der Staat auf allen seinen Ebenen: Parlamente wie Gerichtsbarkeit, Bund und Land wie Kommunen. Werte wie Respekt, Hilfsbereitschaft und Toleranz könne eine Gesellschaft nur gemeinsam bewahren: „Wir brauchen den vielzitierten Aufstand der Anständigen!“

In Leinfelden-Echterdingen sehe er „eine lebendige Kultur des Miteinander und Füreinander“. Gemeinderat und Stadtverwaltung seien über politische Grenzen hinweg in der Pflicht, dies zu erhalten und eine Atmosphäre zu schaffen, die neu hinzugezogene Bürgerinnen und Bürger, gleich welcher Nationalität, einlädt, mitzumachen und sich nicht abseits zu stellen. „An der Spitze dieser Bewegung will und darf ich stehen.“