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„LE mietet“ hat Wohnplätze für 60 Menschen erbracht

Seit Juli 2016 gibt es die Aktion „LE mietet“. Die Stadt mietet befristet Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge an, die in Anschlussunterbringung müssen. Später soll daraus ein privates Mietverhältnis entstehen.

Corinna Belz vom Amt für soziale Dienste, die Ansprechpartnerin für Vermieter, hat im Gemeinderat eine erste Bilanz vorgelegt. Die kann sich sehen lassen: 14 Wohnungen wurden bis Ende März angemietet, in denen 60 Personen – elf Familien und drei Einzelpersonen – leben. Sie stammen aus Syrien, dem Irak, aus der Türkei, Nigeria und Gambia.

58 Angebote gab es insgesamt, 30 Wohnungsbesichtigungen hat Corinna Belz mit ihrem Kollegen Andreas Biendarra vom Amt für Hochbau und Immobilien absolviert. 16 Angebote wurden zurückgenommen bzw. abgelehnt. Gründe dafür waren laut Belz überhöhte Mietpreisvorstellungen oder die bauliche/technische Ausstattung.

Sieben der angemieteten Wohnungen befinden sich in Echterdingen, vier in Leinfelden, zwei in Stetten und eine in Musberg. Monatlich 12.330 Euro Warmmiete kostet das die Stadt, das sind im Schnitt 205 Euro pro Person. Über die Nutzungsentschädigung erhält die Stadt 14.790 Euro, sodass rein rechnerisch ein Plus von 2.460 Euro bleibt. Nicht eingerechnet sind aber Personalkosten, Bauhofleistungen oder Investitionen wie Kücheinbau oder Renovierung. Unterm Strich, sagt Belz, werde wohl kein Guthaben bleiben.

Gefragt bei den Vermietern sind Familen. Doch rund 80 Prozent der Flüchtlinge sind Einzelpersonen, vor allem Männer.

„Für diese 60 Menschen müssen wir keine Anschlussunterbringung bauen“, lobte Stadträtin Sinner-Bartels die Aktion. Gut für die Integration sei die dezentrale Unterbringung in der Stadt. Die ursprüngliche Idee sei allerdings gewesen, Leerstände in der Stadt anzumieten, erinnerte Stadträtin Skudelny (LE Bürger/FDP). Die Stadt könne anders als sozial Schwache auftreten: „Ich habe Probleme damit, dass wir dem regulären Markt Wohnraum entziehen“. Von der 14 Wohnungen seien sechs Leerstände gewesen, so Belz, vier seien zuvor regulär ebenfalls an sozial Schwache vermietet gewesen. Stadträtin Moosmann (Filderpiraten) schlug vor, Eigentümer von freistehenden Einfamilienhäuser („Auch die gibt es hier!“) anzuschreiben und vielleicht sogar ein Vorkaufsrecht anzudrohen. „Das ist nicht unsere Herangehensweise“, lehnte BM Dr. Kalbfell dies ab. „Wir setzen auf Freiwilligkeit.“  

Aktuell wurden ab April bereits vier weitere Wohnungen, alle in Stetten angemietet. Am 5. Mai wird im Treff Impuls eine Informationsveranstaltung der Stadt gemeinsam mit Haus & Grund stattfinden: „Vermieten an Flüchtlinge“.