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Zukunft des Hallenbads: „Es muss kein Wellness-Tempel sein“

Sehr gut besucht war der Kleine Saal in der Filderhalle am Dienstagabend. Die Stadtverwaltung hatte die Bürgerinnen und Bürger zu „LE im Dialog“ eingeladen, um ihnen Konzepte und Ideen für die Sanierung des Hallenbades in Leinfelden zu präsentieren.

„Anlass ist die Sorge, wie lange unser Hallenbad noch Dienst tun kann“, sagte OB Roland Klenk bei seiner Begrüßung. Man erlebe immer häufiger Reparaturen. „Daher scheint sich die Lebensdauer so langsam dem Ende entgegen zu neigen“, so das Stadtoberhaupt.

Die Verwaltung will das Thema Hallenbadsanierung jetzt vorantreiben: Die Infoveranstaltung sei laut Klenk der offizielle Auftakt mit der Bürgerschaft, wobei alternative Vorschläge erörtert und eine Diskussionsgrundlage für eine spätere Entscheidung des Gemeinderats geschaffen werden sollen.

Zahlen und Fakten

Vertreter von Stadt und Gemeinderat im Dialog mit den Bürgern. Sie konnten ihre Meinung auch auf einem Fragebogen äußern, der von der Stadt ausgewertet wird.

BM Dr. Carl-Gustav Kalbfell präsentierte die aktuellen Fakten (PDF-Download der Präsentation (171,2 KB)), zunächst die Besucherstatistik. „Durch die Jahre sind die Zahlen etwas rückläufig.“ 2011 waren es 74.398, im Jahr 2016 68.632 insgesamt Besucher. Die Summe der zahlenden Besucher ist von 57.452 auf 52.770 gesunken. Davon entspannten 9.480 Gäste in der Sauna, fünf Jahre später waren es 7.325. Von den Schulen kamen 2011 10.481 Besucher, 2016 waren es 9.150 – von der Verteilung her „insgesamt recht ausgewogen“, so Dr. Kalbfell. Stabil geblieben sei die Badegästezahl bei den Vereinen mit 6.465/6.712.

Dr. Kalbfell gab auch Einblick in die Rechenergebnisse. Eine entscheidende Kenngröße ist der Kostendeckungsgrad, also „der Anteil der Nutzer, die mit ihrem Eintrittsgeld das Hallenbad mitfinanzieren“. Als Bemessungsgrundlage habe man das Jahr 2007 herangezogen. Dort standen Einnahmen in Höhe von 218.711 Euro Ausgaben von 1.148.763 Euro gegenüber, der Kostendeckungsgrad lag bei 19,04%. 2016 betrug dieser 19,53%. Ein guter Wert „gerade angesichts des Hallenbadalters“, wo die Kosten vor allem beim Bauunterhalt weiter steigen.

Mögliche Planungsvarianten

EBM Eva Noller gab Einblick in die bisherigen Überlegungen zur Sanierung, die auf das Jahr 2014 zurückgehen, als mit Unterstützung des Architekturbüros 4a mögliche Szenarien in einer Konzeptstudie untersucht wurden: Variante 1: reine Sanierung des Status Quo (Kosten: ca. 13 Mio.), Variante 2: Sanierung im Bestand plus Anbau eines Lehrschwimmbeckens (18 Mio.). Nach Variante 3 würde das Gebäude saniert und um einen attraktiven, erweiterten Saunabereich ergänzt (20,5 Mio.). Die vierte Variante sehe einen kompletten Neubau vor (27 Mio.); diese ist mittlerweile vom Tisch. EBM Noller betonte, dass es sich bei den genannten Kosten lediglich um eine erste Grobschätzung handele. Außerdem müsse man aus heutiger Sicht von einem Preisaufschlag zwischen 10 und 15% ausgehen.

Neue Planungsvariante im Gespräch

Bei den weiteren Überlegungen stand die Verbesserung des Ablaufs im Hallenbad im Fokus, mit Blick auf die Umkleiden, Barrierefreiheit und Trennung Schüler/Normalbenutzer, um eine Parallelnutzung zu ermöglichen. Nach dieser neuen Variante hätte man ein Lehrschwimmbecken anstelle eines Saunabereichs, sowie einen Baby-/Kleinkinderbereich. Dieser Gebäudeteil würde neu gebaut werden, während die Schwimmhalle eine Sanierung erfahren würde. „Das wäre eine kompakte, für LE passende Lösung, mit dem Ziel, das Ganze auch finanziell machbar zu gestalten“, meinte Noller.

Sie informierte die Bürger auch über das künftige Verfahren, das nach erfolgtem Planungsbeschluss 18 Monate für die Planung und weitere 18 für den Bau in Anspruch nehmen werde. OB Klenk ergänzte, dass man bereits überlege, Öffnungsfenster im Bad des Sportpark Goldäcker während der Bauphase einzurichten, wohlwissend, dass dies kein vollwertiger Ersatz sein könne.

Reaktionen aus dem Publikum: Sauna ja, Wellness-Center nein

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger äußerten Zustimmung, vereinzelt gab es auch kritische Anmerkungen: „Die Leute im Hallenbad machen einen guten Job, was Sauberkeit und Sicherheit angeht“, es sei dort „angenehm, gemütlich und sehr nett“. Mehrere Bürger (u. a. Vertreter der DLRG und des TSV Leinfelden) freuten sich, „dass wir heute überhaupt über ein Hallenbad diskutieren, während in vielen anderen deutschen Städten die Bäder schließen“. „Funktional soll es sein und sportlichen Ansprüchen genügen, lautete der Appell eines anderen Bürgers.

Deutlich wurde an diesem Abend, dass sich die meisten eine Sanierungslösung ohne Sauna nicht vorstellen können. „Die Sauna finde ich gut wie sie ist, es braucht kein Wellness-Tempel“, war von vielen Seiten zu hören. Es würde in Zeiten der Verkehrsüberlastung auch nicht passen, wenn man für einen Saunabesuch in eine andere Stadt fahren müsste, merkte ein Zuhörer kritisch an. Man müsse auch an die Senioren denken, mahnte eine Bürgerin; in der Sauna seien die jungen Menschen „eher schwach vertreten“, so eine weitere Wortmeldung.

Für die jungen Leute wiederum wäre ein Außenbecken im Park wünschenswert, meinte Lukas Niechziol von der Jugendvertretung LE. Vaihingen und Möhringen seinen immer überfüllt, wenn es das Angebot vor Ort gäbe, wäre das auch eine weitere Einnahmequelle.

Stimmen der Stadträte

Stadtrat Armbruster (Grüne) hielt die neue Sanierungsvariante mit dem verbesserten Parallelbetrieb Schüler/Normalnutzer für „sehr sinnvoll“. Skeptisch zeigte er sich, ob die genannte Planungszeit von 18 Monaten angesichts der engen Personaldecke im Baudezernat einzuhalten wäre; er signalisierte zugleich Unterstützung.

Stadtrat Vohl (FW) freute sich, dass „so viele Bürger sich einbringen“ und betonte zugleich, dass „wir eine lange Diskussions- und Planungszeit brauchen“. Den „Charme des Bades“ solle man erhalten. Wie Vohl zeigte sich Stadträtin Zöllmer (CDU) überrascht, „dass es so viele Menschen gibt, denen die Sauna so am Herzen liegt“. Für sie hat das Hallenbad hohe Priorität, weshalb sie den bürgerschaftlichen Einsatz „fantastisch“ finde.

Auch Stadtrat Haug (LE Bürger/FDP) freute sich über die intensive Beteiligung. Er regte für die nun nötigen vertieften Betrachtungen einen „größeren runden Tisch“ an, an dem „sachliche und fachliche Kompetenzen der Bürger eingebracht werden“.

Stadtrat Klauser (SPD) machte auf den Deckungsgrad von rund 20% aufmerksam, was bedeute, dass der Rest von Steuergeldern bezahlt werden müsse – und das in einer Phase, in der die Stadt viele große Projekte zeitgleich stemme.

Dem pflichtete OB Klenk bei: es gebe zahlreiche andere, investitionsintensive Themen wie Schulsanierungen, Ausbau der Kinderbetreuung und des Nahverkehrs. Wichtig sei, bei all den unterschiedlichen Interessen der Bürger, miteinander zu einem Ergebnis zu kommen. „Vom heutigen Abend nehme ich mit, dass Sie nichts Gesponnenes, sondern etwas handwerklich Solides haben wollen, was in der heutigen Zeit bemerkenswert ist.“