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Sanierungsvorhaben „Historische Mitte Echterdingen“

Der Bürgersaal der Zehntscheuer war bis auf den letzten Stuhl besetzt bei der Auftaktveranstaltung zur „Sanierung Historische Mitte Echterdingen“. Eigentümer, Anwohner und Gewebetreibende wollten hören, was von diesem nach dem Waldhornprojekt nächsten großen Sanierungsvorhaben in Echterdingen zu erwarten ist.

OB Klenk am Rednerpult vor voll besetztem Bürgersaal in der Zehnscheuer Echterdingen
Der erste Schritt auf dem Weg zu einem Sanierungskonzept ist getan. „Wir wollen Sie auf diesem Weg mitnehmen!“, sagte OB Klenk. | Foto: Bergmann

Der Informationsabend war der erste Schritt auf dem Weg zu einem Rahmenplan, der die Sanierungsziele benennt, die dann in einen Satzungsbeschluss des Gemeinderates münden. Mit den sogenannten vorbereitenden Untersuchungen, die der Gemeinderat Ende letzten Jahres beschlossen hat, wird als erstes eine Bestandsanalyse erarbeitet. Die städtebaulichen Mängel sind augenfällig: mangelnde Instandhaltung, Leerstand oder kaum genutzte ehemalige landwirtschaftliche Höfe, baufällige Gebäude, dazu unattraktive und nicht barrierefreie Wege.

Oberbürgermeister Roland Klenk betonte ausdrücklich: „Es ist noch nichts entschieden! Wir wollen Sie auf dem Weg hin zur Sanierung mitnehmen.“ Neben der persönlichen Beratung werde es weiterhin öffentliche Infoveranstaltungen geben. „Und Sie selbst sollen sich einbringen bei der Gestaltung des historischen Ortskerns“, so Klenk. „Unser Echterdingen soll seine Charakteristika bewahren.“

Die erste Kartierung von Echterdingen datiert von 1827. Bis zu den ersten Luftaufnahmen 1918 habe sich die Gemeinde nicht wesentlich ausgedehnt, sagte Philipp Schwarz, Leiter des Planungsamtes der Stadt. „Erst in den letzten 60 Jahren gab es eine dynamische Siedlungsentwicklung.“

Ein Luftbild des Untersuchungsgebiets. | Foto: Stadt

Einen Überblick über das weitere Vorgehen gaben Vertreter der mit den vorbereitenden Untersuchungen beauftragten Planungsbüros. Städtebauliche Erneuerung bedeute Revitalisierung der Ortskerne und damit verbessertes Wohnen und Arbeiten, sagte Arun Gandbhir von STEG Stadtentwicklung.

Die wichtigsten städtebaulichen Ziele sieht er in der Weiterentwicklung des nördlichen Teils durch Stärkung der fußläufigen Verbindungen, Sicherung historischer Bausubstanz (darunter fällt auch die Modernisierung des Rathauses), aber ebenso durch Gebäudeabbruch mit dem Ziel einer Neuordnung bzw. Nachverdichtung. Wie dadurch die Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raums ingesamt zunimmt, zeige der Zeppelin-Platz. Zwölf Jahre sieht er als Gesamtsanierungszeitraum und sagt: „Alle profitieren: die Stadt, die Einwohner und die lokale Wirtschaft.“

Bei einem Bürgerworkshop am 4. Mai seien alle Interessierten eingeladen, sich mit dem künftigen Aussehen der historischen Mitte zu befassen, sagte Albrecht Reuß von Citiplan Projektentwicklung. Denn noch gebe es keine konkreten planerischen Vorstellungen. Echterdingen habe mit seinen Gärten und Höfen, die ebenfalls förderfähige Sanierungsmaßnahmen werden könnten, eine dörfliche Struktur: „Das hat Potential!“ „Gestalten Sie mit!“, empfahl Moderator Theo Rombach daraufhin den Zuhörerinnen und Zuhörern im Bürgersaal. „Denn Sie wissen, was hier abgeht. Sie leben hier!“

Zum Stichwort Nachverdichtung wies eine Bürgerin darauf hin, dass ohne die glücklicherweise noch vorhandenen Grünflächen Echterdingen eine „Betonwüste“ wäre. Die Sanierung sei nicht als „Startschuss für ein Riesenbauprojekt“ gedacht, erwiderte OB Klenk: „Die Stadt kann und will niemanden zwingen, von seinem Baurecht Gebrauch zu machen!“ Innentwicklung sei lediglich ein Angebot. Aber man müsse auch sehen, so OB Klenk, dass es einen großen Wohnungsdruck gebe: „Wir können Echterdingen nicht dicht machen für weitere Bewohner.“

Foto: Bergmann

Mit einer Sanierung steige auch der Bodenwert, war ein anderer Kritikpunkt, der Eigentümer müsse dann an die Stadt den Mehrwert bezahlen. Der Mehrwert werde erst nach Abschluss eines Sanierungsprojekts festgestellt, nach der Waldhornsanierung z.B. habe er zwischen einem und 20 Euro pro Quadratmeter gelegen, sagte Gabriele Munk vom Planungsamt.

Stadtrat Dr. Huber meldete sich daraufhin zu Wort und kritisierte „den falschen Zungenschlag“. Noch stehe man ganz am Anfang und wolle zunächst Ideen sammeln. „Wir wissen doch noch gar nicht, was in zehn Jahren passiert.“

Zu Fragen nach der Förderung sagte OB Klenk, die Erfahrung zeige, dass das Land,
das 1,8 Mio. Euro bereits zugesagt habe, weitere Mittel bei Bedarf durchaus bewillige. Er sei optimistisch: „Ich denke, dass die allermeisten zufrieden sein werden!“

Um in den Genuss einer Förderung zu kommen, muss für private Maßnahmen aber zuvor eine Vereinbarung mit der Stadt über Art und Umfang getroffen werden. Nicht gefördert werden Neubauten. Erste Anregungen von Bürgerseite nahmen Vertreter der Stadt im Anschluss an vier Tischen entgegen, je für die Bereiche Verkehr, Soziales, Stadtplanung und Geschichte.

Wie geht’s weiter?

  • Eigentümer und Mieter werden per Fragebogen um Auskünfte gebeten, es gilt die Auskunftspflicht (§136 ff BauGB). Denn erst demografische und ökonomische Erkenntnisse ermöglichen es, eine Sanierung auf die Bevölkerungs- und Wohnstruktur abzustimmen.
  • Beim Bürgerworkshop am 4. Mai wird die Stadtverwaltung aufgrund der Bestandsanalyse und Anregungen der Anwohner erste Vorschläge präsentieren. Im Juli werden dann die Ergebnisse des Workshops der Öffentlichkeit vorgestellt.
  • Erst danach wird im Herbst die Abgrenzung des Sanierungsgebiets vom Gemeinderat festgelegt. Er beschließt den Rahmenplan, die ersten Sanierungsmaßnahmen und legt die Fördermodalitäten für private Modernisierungen fest.
  • Private Vorhaben können so vom Land und der Stadt gefördert werden. Die Förderquote und die Förderobergrenze werden durch den Gemeinderat festgelegt.
  • Derzeit liegt eine Förderzusage des Landes aus dem Förderprogramm „Soziale Stadt“ in Höhe von 1,8 Mio. Euro vor. Die Stadt übernimmt 1,2 Mio. Euro, sodass derzeit 3 Mio. Euro die erste Fördertranche bilden.
  • Der beantragte Förderrahmen, das heißt die prognostizierten Kosten für das Sanierungsprojekt insgesamt, liegen bei 7,4 Mio. Euro. Es ist üblich, dass zu Beginn einer langjährigen Sanierungsmaßnahme nur ein Teil des Förderantrags bewilligt wird und weitere Mittelaufstockungen später folgen.
  • Sie haben Fragen? Dann wenden Sie sich gerne an das Stadtplanungsamt: Gabriele Munk, Tel. 1600-644, g.munk@le-mail.de; Sabrina Eitl, Tel. 1600-732, s.eitl@le-mail.de