Pfeil nach unten

Musikschule richtet Blick in die Zukunft

Rund 40 Musikschulmitarbeiterinnen und -mitarbeiter und Honorarkräfte haben im vergangenen Oktober ihre Köpfe zusammengesteckt und sich im Rahmen des pädagogischen Tags in einer eintägigen Dialog- und Planungstagung Gedanken über die künftige Weiterentwicklung der 1.200 Schüler zählenden Musikschule Leinfelden-Echterdingen gemacht.

Musikschülerinnen der Musikschule Leinfelden-Echterdingen führen ein Flötenstück auf.
Foto: Bergmann

Wolfram Rieder, stellvertretender Musikschulleiter, gab in einem Vortrag im Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss (VKS) einen Einblick in die künftigen Herausforderungen und Projekte. „Es ging uns darum, zu beleuchten, was in der Musikschule so los ist“, sagte Rieder, und hob hervor, dass „wir einen gesellschaftspolitischen Bildungsauftrag haben“. Ziel sei es gewesen, besonders die Stärken der Musikschule herauszuarbeiten und auszubauen, Zukunftsbilder und Ideen zu entwickeln. „Wir wollten der ganzen Sache einen positiven Touch geben.“

Im Vorfeld habe man bereits eine Musiker-/Nutzerbefragung durchgeführt. „Es hat fast durchweg gutes Feedback gegeben“, freute er sich. Er betonte die gute interne Zusammenarbeit eines „hervorragenden Kollegiums“. Ein positiver Effekt sei die große Erfahrung von vielen langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (manche feierten bereits ihr 30-jähriges Jubiläum), von der junge Schüler profitierten; die Musikschullehrerinnen und -lehrer wiederum freuten sich über den frischen Wind, der da kommt. Die aktive Betreuung der Schüler bei Vorstellungen werde hoch gelobt. „Es gibt viele Auftrittsmöglichkeiten, viele regelmäßigeVorspiele. Und obwohl wir schon viel machen, war der Wunsch da nach weiteren Gesamtmusikschulkonzerten – ein gutes Zeichen für das weiterhin große Engagement.“

Positive Resonanz, aber auch Raumprobleme

„Unser Gebäude wird angenommen, ist schön, die Raumausstattung ist gut, wir sind gut vernetzt, werden von Bildungs- und Kooperationspartnern als flexibel angesehen“, berichtete Rieder. Allerdings stoße die Raumkapazität an ihre Grenzen. Aktuell habe man einen schönen Schritt machen können: „Wir dürfen ab dem neuen Schulhalbjahr in der Realschule zwei bis drei Räume nachmittags mitbelegen und dort tätig werden.“

Weitere Herausforderungen der Musikschule hängen mit Trends zusammen, die man in der Tagung identifiziert habe. Und auf diese „müssen wir reagieren“. Dazu zählt Rieder unter anderem die Digitalisierung, das soziale Verhalten unterschiedlicher Klientel, den Wandel der Familie.

Überhaupt spiele die Arbeit als zentrales Lebensmotiv heute eine immer größere Rolle und verändere das Leben der Familien und daher auch den Stellenwert der Nachmittagsbetreuung mvon Schülern. Man wolle daher die Schulkooperationen ausbauen, „weil wir da noch Potenzial sehen und der Trend zur Ganztagsschule geht“. Seine Kollegin, Musikschulleiterin Christine Weiler ergänzte: „Wir haben Räume, die sind vormittags frei. Die Räume sind da, aber nur dann, wenn keiner Zeit hat.“

BM Dr. Carl-Gustav Kalbfell hob diesen Punkt ebenfalls hervor. „Es wird immer mehr Betreuungsbedarf am Nachmittag verlangt. Wenn die Kinder dann nicht mehr in die Musikschule kommen können, muss die Musikschule in die Schulen, dort unsere Angebote ergänzen und mitwirken, dass der Tag für Kinder auch musisch sinnvoll gestaltet wird“, so der Sozialbürgermeister.

Aus den Reihen der SPD- und FDP-Fraktion kam der Vorschlag, Räume für die Musikschule im künftigen neuen Jugendhaus Areal in Leinfelden einzuplanen, in denen dann zudem auch Nachwuchsmusiker mit ihrer Band proben könnten, denn der Bedarf hierfür ist da, wie im VKS-Ausschuss festgestellt wurde. Aktuell gibt es im Areal zwei stets ausgebuchte Proberäume, für den künftigen Areal-Neubau sind wieder zwei geplant.

Möglichkeiten im neuen Areal?

„Das neue Areal ist noch nicht gebaut, insofern gibt es Möglichkeiten, das noch umzusetzen“, meinte Dr. Kalbfell. Man sei offen und bereit, zusammen mit der Musikschule, mit dem Areal und den Jugendlichen diesen Aspekt noch einmal in die Verwaltung hineinzutragen und dafür zu werben. Schlussendlich entscheide dann der Gemeinderat.

Wolfram Rieder machte außerdem auf den Trend aufmerksam, dass die Bedeutung der Musik in den allgemeinbildenden Schulen zurückgehe. „Da müssen wir viel auffangen“. Die Kammermusik wolle man wieder mehr stärken. Dazu gehöre die Förderung der Gehörbildung und der Rhythmusschulung, „was eigentlich die allgemeinbildenen Schulen bisher gemacht haben“. Ferner müsse man den demografischen Wandel im Blick behalten und „auch für Erwachsene und Senioren offen sein“.

Mittlerweile gibt es sechs Arbeitsgruppen, die sich seit ihrer Gründung in der Dialogtagung vergangenen Oktober mit konkreten Planungen für die Zukunft beschäftigen. „Wir wollen fächerübergreifende Großprojekte, zum Beispiel ein großes Musical- oder ein großes Kammermusikprojekt, machen, das heißt, noch mehr nach außen gehen“, so Rieder.

Ganz wichtig auf der Agenda sei auch, ein Musikstudio einzurichten, „nicht nur für Pop-/Rockmusiker, sondern auch für die Klassiker.“ Der nächste pädagogische Tag werde sich dann mit 40 Jahre Musikschule befassen, die im Schuljahr 2019/20 ihr Jubiläum begehen wird.

  • Am Sonntag, 18.3., 17 Uhr, findet das großes Ensemble- und Preisträgerkonzert der Musikschule „Frühlingserwachen“ in der Filderhalle statt.