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Stadtarchiv: Digitalisierung wird zur Herausforderung

Das Stadtarchiv hat ein breites Aufgabenspektrum: Es reicht von den klassischen Archivaufgaben über  die Restaurierung bis zur historischen Bildungsarbeit mittels Publikationen, Ausstellungen und Vorträgen. Wobei man Letzteres als eine Kernaufgabe betrachte, sagte Dr. Bernd Klagholz, Leiter des Stadtarchivs, im Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss bei der Präsentation seines Tätigkeitsberichtes.

Blau-schwarzes Logo des Stadtarchivs Leinfelden-Echterdingen

Gut besucht sind die Archivausstellungen im Stadtmuseum vor allem, wenn sie Lokalkolorit haben. „Kindheit in der Nachkriegszeit“ zog 1.351 Besucher an, „Schulgeschichte(n) aus LE“ 1.134. Knapp 600 Menschen interessierten sich für die Reformationsausstellung und „Luthers Spuren in LE“. Wohl leider der Randlage des Stadtarchivs geschuldet ist nach den Worten von Klagholz die geringere Besucherzahl in den eigenen Räumen, wie bei „100 Jahre Somme-Schlacht“ (249) und „Krankenmord im Nationalsozialismus“ (107).

Dem Stadtarchiv obliegt auch die Leitung des Mühlenmuseums der Mäulesmühle. Über 100 Besucher kommen alljährlich zu den Führungen beim Deutschen Mühlentag, und 179 Teilnehmer waren im letzten Jahr bei sieben Sonderführungen mit dabei.

Ausstellungsjahr 2018: Sammelleidenschaft und Ortsjubiläum

Die Planungen für die kommende Saison laufen. Bei „Sammeln als Leidenschaft“ (März bis Juli 2018) sollen Sammler unserer Stadt ihre Lieblingsstücke präsentieren. Die Objekte sollten aus der Gründerzeit 1870–1918 stammen.

2019 folgt dann die große Jubiläumsschau: „750 Jahre Leinfelden“.

Die Wanderausstellung „Ich habe den Krieg verhindern wollen – Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1939“ zeigen die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Juni/Juli 2018.

Nachdem 2008 in der Schriftenreihe des Stadtarchivs ein Band zum Nationalsozialismus (1933–39) erschienen ist, soll das Thema mit „Leinfelden-Echterdingen in der Zeit des NS“ (1939–45) nun abgeschlossen werden. Zwangsarbeit und Euthanasie bilden darin einen Schwerpunkt.

Die Deutsche Fotografische Akademie wird 2019 ihr 100-jähriges Bestehen feiern. Zu diesem Anlass wird der Kunstpreis der Stadt, wie immer in Verbindung mit der David-Octavius-Hill-Medaille der DFA, verliehen.

Deutsch-französisches Schülerprojekt zu KZ-System Natzweiler

Auf Anregung des Stadtarchivs werden Schüler der 9. Klasse der Immanuel-Kant-Realschule im Herbst an einem deutsch-französischen Fotoprojekt über das KZ-System Natzweiler teilnehmen. Zum Holocaust-Gedenktag im Januar soll eine Fotoausstellung auf beiden Rheinseiten gezeigt werden. Die IKR-Schüler werden Aufnahmen von der KZ-Gedenkstätte Echterdingen und Erinnerungsfotos beisteuern.

Die Überarbeitung der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung im 2. OG des Stadtmuseums wurde in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Stadtmuseum in Angriff genommen. Die nunmehr im städtischen Besitz befindliche Replik der Kleinen Himmelsmaschine von Philipp Matthäus Hahn soll in die Ausstellung integriert werden.

Eine zunehmend wichtige Aufgabe wird die Bestandserhaltung. Dazu zählt auch die Restaurierung und Digitalisierung von Archivalien. Wobei sich die Langzeiterhaltung digitaler Dokumente bisweilen als schwierig darstellt, zumal CDs und DVDs weniger lang halten als Papier, Fotos oder Filme. Die Daten müssen auf neueste Datenträger kopiert und in neue Dateiformen überführt werden, damit sie auch von künftigen Computern verarbeitet werden können.

„Das kann ein kleines Archiv wie wir nur  gemeinsam mit einem großen Archiv schaffen“, so Dr. Klagholz. Man kooperiere mit dem Landesarchiv, dem Kreisarchiv Esslingen und der Kommunalen Datenverarbeitung Region Stuttgart.

Was dem Archivteam ansonsten fehlt, ist vor allem Platz. 1.144 laufende Meter Rollregale sind annähernd voll. Das Archivteam hofft auf einen Lagerraum in den Räumlichkeiten des Spielkartenmuseums in Leinfelden, wo die bisherige Ausstellungsfläche in ein Archiv umgebaut wird.

Die Ausschussmitglieder zollten dem Archivteam Anerkennung für seine vielfältige Arbeit. Das Team um seinen Chef Dr. Klagholz leiste zukunftsweisende Heimatgeschichte, sagte Stadträtin Zöllmer (CDU). An das Thema Raumproblem sollte man im Rahmen der Ortskernsanierung Echterdingen denken, riet Stadtrat Dr. Huber (FW).

Stadträtin Bär (Grüne) hob das deutsch-französische Jugendprojekt hervor. Auf diese Weise werde Geschichte erlebbar, bestätigte Stadträtin Sinner-Bartels (SPD).